Hexenstieg Ultra-Lauf 2015

Eigentlich war in 2015 kein Traillauf geplant, da für meine Vorbereitung auf den Double und Triple Ultra Triathlon diese Fähigkeit nicht benötigt wird, besonders nicht mit 4500 HM in Aufstieg, da beide Ultra Tri im Flachland stattfinden.

Am 24.4.15 sollte der Hexenstieg NONSTOP Ultra Lauf mit seinen 216 KM um 6 Uhr gestartet werden und Sonntag um 6 Uhr nach 48 Stunden war Zielschluss. 5 Tage vorher wurde ein Startplatz frei und mein Lauffreund Jan-Olof hatte den Kontakt und organisierte mir den Startplatzwechsel und am 22.4.15 hatte ich die Bestätigung vom Veranstalter teilnehmen zu dürfen.

2 Tage vor einem 216 KM langen Traillauf sich für so einen Lauf zu entscheiden, kommt sicher nicht so häufig vor, da alleine schon die Organisation der Ausrüstung Zeit beansprucht. Da ich Laufrucksack mit Trinkblase und Stöcker noch von den Trans Alpin Runs hatte, benötigte ich nur noch trailfähige Laufschuhe und da war mein Laufschuhladen von Daniel und Bernhard Dahlmann in Münster sofort bereit mir 2 Paar Schuhe entsprechend mit Trailsohlen umzurüsten.

Meine Nahrung im Wettkampf hatte ich reichlich zuhause, da sie auch beim Training immer genutzt wird. Oat Snack, Squezze und Basica Sport als Getränk wurde neben allen anderen Dingen für einen 48 Stundenlauf gepackt. Dazu kam das im April das Wetter im Harz und besonders am Brocken sehr unterschiedlich sein kann. Regenjacke, Wechselklamotten und alles andere wurden zusammengestellt und auf 3 Taschen aufgeteilt, da man 2 Dropbag Stationen und seinen Laufrucksack hatte.

Mit Jan fuhr ich dann am 23.4.15 nach Osterode in den Harz, da abends bereits das Briefing mit Hotelübernachtung anstand. Die Dropbags wurden abgegeben mit  der Hoffnung nichts vergessen zu haben.

Der Start fand dann am 24.4.15 um 6.15 Uhr am Beginn des Hexenstiegs statt und mit viel Anspannung aber auch Vorfreude ging es dann los. Für mich war neu mit einem GPS-Track auf einem Navi zu laufen, da ich dieses bisher nie musste. Der Veranstalter hatte im Internet so einen Track erstellt, da man zwar  nach der Beschilderung des Hexenstieg lief, ihn aber ab und zu für extra-KM verließ und keine eigene Beschilderung vom Veranstalter vorgenommen worden war und die Verpflegungsstation nicht immer direkt auf dem Hexenstieg liegen, aber in dem Track eingearbeitet sind.

Schnell gewöhnte ich mich an diese Art zu laufen und hatte mit Jan-Olof und Sascha 2 Begleiter, so dass es flott los ging und das Terrain noch gut zu laufen war.

Hier jetzt 216 Km aufzuschreiben, ist mir dann doch zu viel, darum nur einige Besonderheiten:

Freitag: Sonniges Frühlingswetter und damit optimale Laufvoraussetzungen für den Harz, da man viel im Wald und Schatten unterwegs war. Nach 60 KM war man oben auf dem Brocken und selbst hier bestes Wetter bei 10 Grad aber wenig Wind und Sonne. Es gab sehr schwierige Streckenabschnitte, da man auch immer mal in einem Bachbett mit wenig Schmelzwasser und Schneeresten unterwegs war. Dazu kamen sehr steile Anstiege aber dann auch mal wieder eine längere Schotterpiste mit leichtem Anstieg, so das Laufen mit moderatem Tempo möglich war.

Die erste Nacht: Ab 21 Uhr mussten wir unsere Stirnlampen benutzen, da es einfach zu dunkel wurde und man auf den Geröll und Wurzelpassagen sonst gestürzt wäre. Wir reduzierten an schwierigen Stellen auch noch unser Tempo, da auch niemand von uns 3 umknicken wollte, aber trotzdem kamen wir zügig vorwärts so dass wir gut in der Zeit lagen. Den Wendepunkt in Thale mussten wir spätestens nach 20 Std wieder verlassen haben.

Dropbag-Sation 1 in Thale am Wendepunkt nach 115 KM: Wir waren nach 18 Std in Thale und hatten somit viel Zeitguthaben auf die Cutt-Off Zeit. Hier hatten wir eine Tasche mit Wechselklamotten, Duschzeug und neuer Verpflegung. Die Sachen wurden in den Laufrucksack gepackt und meine Füße musste getappt werden, da sich unter beiden Fußballen erste Anzeichen von Blasenbildung bemerkbar machten. Die vielen Berg-Ab-Passagen waren für mich einfach zu ungewohnt und man hatte nach den Bach und Schneepassagen doch feuchte Laufstrümpfe bekommen.   Nach 40 Minuten machte ich mich dann alleine auf dem Rückweg, da Jan und Sascha noch nicht so weit waren, aber das war vorher schon so besprochen.

01.15 Uhr im dunklen Harzwald machte ich mich auf den Weg und musste nun allein mit dem Navi den Weg finden. Aus Thale heraus kam ich schnell und gut und dabei traf ich Oliver Franz, der etwas langsamer unterwegs war. Wir waren uns sofort ohne große Worte einig gemeinsam weiter zulaufen. Oliver passte sich dann auf Dauer meinem Tempo an, da seine Oberschenkelprobleme sich auch besserten. Für mich war das wirklich toll, da Oliver auch ein erfahrener Trailläufer mit viel Navi Erfahrung ist und gerade im Dunklem ist es gut wenn man sich auch mal beim Weg-Finden abwechseln kann.

Nach 2,5 STd waren wir an einer Verpflegungsstation mit warmer Suppe und Tee und wir nahmen uns die Zeit beides zu genießen, da es nur noch 5 Grad draußen war. Kurz zuvor war Sascha zu uns gestoßen, da Jan-Olof sein eigenes etwas langsameres Tempo als Sascha laufen wollte.  Wir waren also wieder zu 3. Und als wir wieder starteten kam noch Jan-Olof, der aber seine Pause machen wollte und so bin ich mit Oliver und Sascha weiter.

Samstag: Nach 24 Stunden war es am Samstag 6 Uhr auch wieder hell und es ging weiterhin gut weiter. Mit Müdigkeit hat zu dem Zeitpunkt niemand von uns zu kämpfen und da ich immer gut ohne Schlaf auskommen, würde das bei mir eh kein Problem werden auf 48 Stunden gesehen. Das Wetter war noch trocken, aber im Laufe des Tages sollte Regen kommen

Nun kamen wir an eine Selbstversorger Station, was einfach einen Tankstelle war, in der man sich Brötchen oder Kaffee kaufen konnte. Hier waren wir schnell wieder weg, da wir noch genügend Verpflegung und Getränk im Rucksack hatten. Zum Teil hatte der Samstag sehr schweres Terrain zu bieten und Essen und Trinken muss man bei solchen Läufen immer zur richtigen Zeit und vor allem darf man es nicht vergessen.

Dropbag Station 2 nach 175 KM in St. Andreasberg: Hier waren meine Blasenprobleme mittlerweile so groß, das ich mein 3. Paar Schuhe anzog. Der Schuh hat eine hohe Sohle, so dass nicht jeder Stein auf den Fußsohlen zu spüren ist. Ohne den Schuhwechsel hätte ich vielleicht das Rennen nicht beenden können, weil die Blasen unter beiden Füßen wurden über die nächsten 10 Stunden immer schlimmer.

Hier ein Beispiel für einen Aufstieg: Um zur Wolfswarte hoch zu kommen, verlässt du den Wanderweg und steigst in einem Bachbett mit Schmelzwasser hoch. Wenn dein Navi dir nicht zeigen würde, dass es hier lang geht, würde man nicht glauben, dass man auf dem richtigen Weg ist. Nach 1000 Meter Aufstieg mit Matsche, Steinkletterei, Wasserbächen, Wurzelholz und glitschigen Steinen war ich endlich oben. Das ging gut auf die Waden und Oberschenkel, aber wie gewohnt erholte ich mich sehr schnell.

Nur leider begann es jetzt heftig zu regnen und wir waren froh nicht mehr in dem Bachbett zu sein, da dort sicher der Wasserstand gehörig ansteigen würde. Da es uns immer kälter wurde und meine warme Laufjacke nicht ganz Wasserdicht war, war es gut, das wir nun auf einer berg-abwärts Passage waren, die wir mit gutem Tempo laufen konnten. Hier war es wieder mehr mein Element, da ich Downhill immer besser kann, als hoch.

Bei Oliver und Sascha machten sich die Füße mit Schmerzen und Brennen auch immer deutlicher bemerkbar, auch wenn sie nicht solche Probleme mit Blasen hatten. Die nächsten 2 VPs waren leider nicht beheizt und im Aussenbereich, so das wir uns dort nur kurz aufhielten und ein Aufwärmen nicht möglich war. Zwischenzeitlich war es wieder Dunkel geworden und unsere Stirnlampen kamen wieder zum Einsatz und die 2. Nacht mussten wir hoffentlich nicht mehr komplett durchlaufen, da wir als Endzeit mit maximal Sonntag 3 Uhr zurzeit rechneten.

Dann war der letzte VP endlich erreicht und wir hatten noch 12 KM vor uns. Rechnerisch sind das 3-4 Std , wenn wir unser Lauftempo bei dem Gelände beibehalten konnten. Als wir eine höhere Passage erreichten, waren wir komplett im Nebel und die Stirnlampe konnte man nur noch auf die Füße richten, weil sonst keine Sicht mehr vorhanden war. Nebel in der Dunkelheit bei Stirnlampen ist eine schlechte Kombination, aber weiter geht’s.Ohne Navi wäre ein vorwärtskommen eigentlich nicht mehr möglich gewesen, weil man die Wege bei 0-Sicht gar nicht mehr sieht. Auf dem Navi sieht man, dass man sich noch auf der Linie bewegt. Dann kam ein sehr steiles Berg-Ab Stück und das im Nebel!!! Unser Lauftempo war natürlich viel langsamer wie erhofft und nach 40 Std würde man gerne etwas schneller vorwärts kommen. Ein ganz wichtiger Punkt bei solchen Läufen ist, das man es nimmt wie es kommt und immer einen Plan B hat.

Der Nebel hörte auf, als wir in tiefere Regionen kamen und das Ziel war auch nur noch 8 KM entfernt. Nach 41,5 Std noch fast 2 Std aber wir waren uns sicher, diese auf alle Fälle zu 3. zu schaffen. Bald kam der Ortseingang von Osterode und die letzten 2 KM im Ort. Ziel war das Hotel Harzer Hof und wir ging ins Hotel und dort saß Michael mit seiner Crew und notierte unsere Zielzeit. Unglaubliche 43:35 Std habe ich „nur“ gebraucht. Im Vorfeld waren die 48 Std nicht unbedingt als machbar einzustufen und der Trail war wirklich sehr, sehr schwer, wie viele von den Teilnehmern, die so etwas öfter machten, bestätigten.

Fazit: Körperlich habe ich hier keine Grenze überschritten. Im Gegendteil, ich hatte keine muskulären Problem und habe es Mental total gut weggesteckt und kann mit jeder Wettersituation umgehen, da ich auch 365 Tage im Jahr bei jedem Wetter oder Temperatur Laufe oder Rad fahre. Mein Problem war einfach die Blasenbildung durch nasse Strümpfe und die Downhill Passagen, hier muss ich mich verbessern, da mich die Blasen jetzt sicher 1 Woche ärgern werden.

Hexenstieg ist nur etwas für Läufer, die einen Erfahrungsbereich mitbringen, wie bei mir 3 Trans Alpin Run Teilnahmen und viele Ultralauf Wettkämpfe. Die 49 Std beim Triple Ultra Tri hatten mir z.B. bereits gezeigt, dass ich über 48 Std. körperliche Leistung bringen kann und daher hatte ich hier auch keinen Zweifel. Erfahrung und immer einen spontanen Plan B auf der Strecke helfen ungemein. 

Toll war das ich auf dem Hinweg mit Jan-Olof und Sascha und auf dem Rückweg mit Sascha und Oliver laufen konnte. Es hilft bei der Wegfindung und zwischendurch mal die eine oder andere Geschichte erzählen, hilft beim Verkürzen der Zeit!